Mit dem Titel „Landesbester in den Alten Sprachen“ darf sich seit dem 5. Mai 2018 Felix Benk, Schüler des A-Profils der Jahrgangsstufe 11, schmücken. Felix hatte sich dem renommierten Landeswettbewerb „Rerum antiquarum certamen“, der im Zweijahresturnus für die Schüler der Oberstufe stattfindet, zunächst mit einer Übersetzungsklausur aus dem Griechischen, dann mit einer vierzigseitigen Hausarbeit gestellt. Unabhängige Gutachter des Landes Niedersachsen hatten seine Arbeit mit der Bestnote „15 Punkte“ bewertet. Felix reiht sich mit seinem Erfolg in die Zahl der Ratsgymnasiasten ein, die seit mittlerweile zehn Jahren in ununterbrochener Folge als Landesbeste aus dem Wettbewerb hervorgingen. Seine herausragende Leistung bescherte ihm die Fahrkarte nach Wolfenbüttel, wo er vom 7. bis zum 9. Juni gewissermaßen in einem musischen Agon mit elf weiteren Landesbesten um die Aufnahme in die Studienstiftung des Deutschen Volkes wetteifern wird.

Im Sinne echter wissenschaftlicher Auseinandersetzung widmete sich Felix in seiner Hausarbeit der Frage, welche Bewertung die griechischen Tragiker und die römischen Elegiker der Schifffahrt zuteilwerden lassen. „Quid ad nos?“, könnte jemand fragen, der die Beschäftigung mit antiker Literatur, zumal mit einem auf den ersten Blick so abseitig erscheinenden Thema, verdächtigt, die Köpfe der Jungen mit totem Wissen zu belasten. Wer den Tragödiendichter Sophokles nicht kennt, wird aber nicht erfassen können, dass der Gedanke von der Schutzwürdigkeit der Natur, den wir als Errungenschaft des 20. Jahrhunderts preisen, in Wahrheit fast 2500 Jahre alt ist: „Darf sich der Mensch mit technisch hoch gerüsteten Schiffen, die sogar den Winterstürmen trotzen, zum Beherrscher der Meere erheben und einen Lebensraum ausbeuten, der ihm von den Göttern eigentlich nicht zugedacht ist?“ Mit dieser Frage wirft Sophokles in seinem Drama Antigone einen argwöhnischen Blick auf den aufklärerischen Fortschrittsoptimismus seiner Zeit, der sich zur schrankenlosen Nutzung des menschlichen Erfindergeistes bekennt und damit die normierende Kraft des alten Götterglaubens im wahrsten Sinne des Wortes über Bord wirft.

Um die sophokleische Zivilisationskritik richtig einordnen zu können, verfolgte Felix zunächst die griechische Kulturtheorie bis zu ihren literarischen Ursprüngen zurück, den um 700 v. Chr. entstandenen Dichtungen Hesiods. Der dort vorherrschenden abfälligen Bewertung des Fortschritts stellte er anschließend das uneingeschränkte Lob entgegen, das der Dichter Aischylos dem Titanen Prometheus zollt, der mit der Gabe des Feuers den Menschen die technischen Fertigkeiten zuteilwerden ließ. So kam Felix zu dem Ergebnis, dass Sophokles in seinem berühmten Chorlied „Vielfältig ist das Gewaltige, doch nichts ist gewaltiger als der Mensch“ eine Position zwischen dem kulturpessimistischen Hesiod und dem kulturoptimistischen Aischylos einnimmt: Für Sophokles ist der Mensch ein Wesen, das einerseits mit gewaltigen zivilisatorischen Kräften ausgestattet ist, das andererseits aber dazu neigt, eben diese Kräfte gewalttätig werden zu lassen. Ferner betrachtete Felix die Bewertung der Schifffahrt aus römischer Perspektive, indem er sich die augusteischen Elegiker vornahm. Properz, Tibull und Ovid verfluchen die Schifffahrt, weil sie Menschen persönliches Leid zufügt, indem sie sie voneinander trennt. Anlass zur Klage liefert den Dichtern z.B. der Tod eines Freundes auf See oder der bevorstehende Abschied der Geliebten, die sich auf eine Schiffsreise begeben will. So beruht Felix´ Untersuchung alles in allem auf Texten, die etwa 700 Jahre der antiken Literatur- und Geistesgeschichte umfassen, und erfüllt damit einen geradezu enzyklopädischen Anspruch.

Indem Felix abschließend die Frage erörterte, inwiefern die Errungenschaften der modernen Technik der ethischen Verantwortung des Menschen für seine Umwelt und letztendlich auch für sich selbst standzuhalten vermögen, übertrug er das von Sophokles aufgeworfene Problem auf die Gegenwart und erwies damit die Aktualität des antiken Dichters.

Felix´ Arbeit ist auch deswegen besonders gelungen, weil er die einer derartigen Untersuchung oft anhaftende kühle Wissenschaftlichkeit mit der ihm eigenen Begeisterung für Literatur immer wieder aufbrach. „Das Schönste ist das, was jemand liebt“, weiß die griechische Dichterin Sappho. Was jemand liebt, können eben auch antike Texte sein.

Felix hat mit seiner Arbeit einen wesentlichen Beitrag zum Ansehen der Alten Sprachen am Ratsgymnasium geleistet. Wir gratulieren ihm zu dem großartigen Erfolg und drücken ihm für die Endrunde in Wolfenbüttel die Daumen.

Nicht unerwähnt bleiben sollen an dieser Stelle drei weitere Oberstufenschüler des Ratsgymnasiums, die ebenfalls an der zweiten Runde des Wettbewerbs teilnahmen und diese erfolgreich abschlossen: Hauke Hemmerling, Sarah Kilian und Anneke Ostermann.

Für die Fachgruppe Alte Sprachen Dr. Ruth Mariß

 

 

 

 

Shuuz - wir sammeln Schuhe

uselogo

 

 

 

 

loewenbande

GARP