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Besuch des Ratsgymnasiums Goslar im Heimatmuseum Abbenrode

Verfasst von:
Marilen Bergmann
Natalie Miletić
Marla Fuhrmann


Im Rahmen der Projekttage des Ratsgymnasiums besuchten Schüler des
Ratsgymnasiums am 25.06.26 das Heimatmuseum in Abbenrode. Was erst als
kleine Wanderung bei Sonnenschein startete, endete in einem spannenden
Eintauchen in die Geschichte des Grenzortes.
Das Museum wurde 1991 gegründet, um sich aktiv gegen den Verlust des
kulturellen Lebens im ländlichen Raum einzusetzen. Im Museum wird die
Auswirkung der DDR- Diktatur und das Leben in der ehemaligen Grenzregion
historisch aufgearbeitet. Die Fundstücke des Museums beinhalten zwei Modelle,
die Abbenrode in der heutigen Zeit und einen Aufbau der Grenze zeigen und den
Ort so bildlich verdeutlichen. Außerdem findet man den Aufbau alter Zimmer, wie
man früher in Abbenrode lebte, z.B. ein Wohnzimmer. Auch eine alte französische
Uniform sowie der passende Säbel können betrachtet werden.
Auch wenn der Großteil der Schüler die Geschichte von Abbenrode und der
Umgebung noch nicht kannte, wussten wir nach der Wanderung einiges mehr. So
lag Abbenrode ab 1952 im Sperrgebiet der DDR, unmittelbar an der innerdeutschen
Grenze zu Niedersachsen. Das Leben in dieser Region war stark eingeschränkt:
Die Grenze wurde bis zum Mauerfall kontinuierlich ausgebaut und besaß zum
Schluss nicht nur einen Signal- beziehungsweise Sperrzaun, sondern auch Minen
und Selbstschussanlagen.
Für die Bewohner wurden Einreisegenehmigungen in den Westen nur schwer
zugelassen und die Menschen sahen so ihre Familie teilweise Jahrzehnte nicht.
Wo früher Familien getrennt wurden und Menschen um ihre Leben fürchteten,
liefen wir mit unseren Freunden und Lehrern, mit guter Laune und bei schönem
Wetter entlang. Der Gedanke, dass der einzige Unterschied von uns und den
Menschen, deren Leben auf den Kopf gestellt wurde, war, dass wir in einer anderen
Zeit geboren wurden und das Glück hatten, diese Trennung des Landes nicht
miterleben zu müssen, machte uns auf dem Weg besonders emotional.
Gegen 11:30 Uhr erreichten wir nach einer lehrreichen Wanderung durch den
Schimmerwald endlich das Museum, wo wir nach einer kurzen Stärkung von
Andreas Weihe in Empfang genommen und durch die Ausstellung begleitet
wurden. Schon bevor wir in die tiefere Geschichte Abbenrodes eingetaucht waren,
gab es vor dem Museum etwas sehr Spannendes zu sehen. Der Zeitzeuge und
Vorsitzende des Heimatmuseums zeigte uns als erstes Fundstück Überreste einer
Bombe, deren Art zur Sprengung von Bunkern nach dem Krieg diente. Dieses
Fundstück wurde nach der Zerstörung der ehemaligen Munitionsfabrik „Muna
Abbenrode“ durch die Wehrmacht im Schimmerwald gefunden und an den
Heimatverein übergeben. Er erzählte uns auch, wie dieses historische Exponat
vielen Soldaten das Leben kostete. Dieser Gedanke hat bis heute nicht unser
Gedächtnis verlassen.

Um die Geschichte des Grenzortes bildlich zu erläutern, starteten wir den
Rundgang mit der Darstellung Abbenrodes, um uns einen Überblick über den
ehemaligen Grenzort im Sperrgebiet zu verschaffen.
Im nächsten Raum wurden historische Artefakte sowie persönliche
Gegenstände aus dieser Zeit ausgestellt. Es gab eine große Vielfalt dieser
Fundstücke, von Kinderspielzeug bis hin zu militärischen Uniformen und Waffen,
zu denen Herr Weihe uns den geschichtlichen Zusammenhang von Abbenrode und
Frankreichs erklärte. Zum Abschluss des Rundgangs führte er uns zu einer weiteren
Miniaturdarstellung. Nun handelte es sich jedoch um die Grenzzone und den
Aufbau der Grenze. Dabei zeigte er uns über die „Grenzwandler-App“ auch einzelne
Zeitzeugen, welche das Leben an der Grenze zur Originalzeit darstellten. Nebenbei
berichtete er von rührenden Geschichten des Familienlebens dieser Zeit, als es
normalisiert war, Familien zu trennen und Leben zu zerstören. Besonders
berührend war die Erzählung über den 11.11.1989, als um 16 Uhr die Grenze und
somit auch das Sperrgebiet geöffnet wurde und man endlich in das normale Leben
zurückkehren konnte, welches wir heutzutage kennen.
Insgesamt gefiel sowohl den Schülern als auch den Lehrern das Erlebnis im
Heimatmuseum Abbenrode sehr gut. Es ist viel bei uns hängengeblieben und wir
können mit Sicherheit sagen, dass das Gelernte nicht so schnell wieder vergessen
wird. Auf unserem Rückweg begleitete uns das historische Wissen noch lange und
wir bedanken uns bei Andreas Weihe und dem Heimatverein für dieses Erlebnis.