Schülerinnen und Schüler der Griechischkurse 9 und 10 besuchten das Alte Museum in Berlin
Große Ereignisse werfen, so sagt man, ihre Schatten voraus. Wenn dieser Satz stimmt, dürfte es sich bei der neuen Verfilmung von Homers Odyssee um ein cineastisches Meisterwerk handeln, so gewaltig ist die Werbemaschinerie für den Film, der ab Mitte Juli in den Kinos zu sehen sein wird, inzwischen angelaufen. Diejenigen, die Altgriechisch lernen, sind von der Qualität des Films selbstverständlich unabhängig, denn sie kennen Odysseus bereits aus Homers Epos, also im Original: als im Kampf um Troja mit allen Wassern und auf seinen Irrfahrten über die Meere von allen Wassern gewaschenen Helden.
Und so mögen die Griechischschülerinnen und -schüler der Jahrgangsstufen 9 und 10 an die mühselige Rückreise des gewieften Trojakämpfers gedacht haben, der erst nach zwanzigjähriger Abwesenheit seine Heimat Ithaka wiedersah, als sie am 16. Juni 2026 zusammen mit ihren Lehrern Andreas Sienknecht und Dr. Ruth Mariß von einer Exkursion zum Alten Museum Berlin nach Goslar zurückkehrten: Die Rückfahrt in die Heimat schien nämlich kein Ende nehmen zu wollen, dauerte sie doch doppelt so lange wie erwartet. Homer erklärt die Unpünktlichkeit des Odysseus mit dem Zorn des Gottes Poseidon, die deutsche Bahn hingegen konnte keinen göttlichen Einfluss ins Feld führen, sondern begründete die Verspätung ihres ICE mit dem stets wiederkehrenden profanen Satz: „Der vor uns liegende Streckenabschnitt ist noch durch einen Zug belegt“.
Doch die Schülerinnen und Schüler nahmen es anders als Odysseus gelassen, schließlich hatten sie anders als dieser zuvor keinen langwierigen und mühevollen Kampf bestehen müssen, sondern waren im Alten Museum Berlin in den Genuss der Begegnung mit einer der bedeutendsten Antikensammlungen gekommen, die Deutschland zu bieten hat. Weil schon für deren flüchtige Wahrnehmung die zur Verfügung stehende Zeit auf keinen Fall ausgereicht hätte, wurde der Blick der Schülerinnen und Schüler, die sich nicht nur vom Umfang der Sammlung, sondern auch von der majestätischen Größe des Museumsbaus beeindruckt zeigten, durch ein Quiz gezielt auf zehn Exponate gelenkt. Diese zählten selbstverständlich zu den bedeutendsten des Alten Museums. So betrachteten die Lernenden, mit Fragebögen ausgestattet, die Bildnisbüste des athenischen Staatsmannes Perikles, das archaische Lächeln der sogenannten Berliner Göttin oder das berühmte Vasenbild, das den griechischen Helden Achilles zeigt, während er die Wunde seines Freundes Patroklos verbindet. Auch Odysseus – siehe oben – spielte auf etlichen Vasenbildern eine bedeutende Rolle, etwa als Rächer, der mit Pfeil und Bogen die Männer bestraft, die während seiner Abwesenheit seine Ehefrau Penelope bedrängten.
Man darf gespannt sein, wie Regisseur Christopher Nolan dieses Geschehen filmisch umsetzen wird. Dass er vier bereits existierenden Verfilmungen mit The Odyssey eine weitere hinzufügte, spricht jedenfalls für die unverwüstliche Attraktivität des antiken Sagenstoffes. Wir wollen hoffen, dass Nolans Adaptation der komplexen Handlung, die Homers Epos bereithält, einigermaßen gerecht werden kann. Die Griechischschülerinnen und -schüler werden berichten … .
Dr. Ruth Mariß,
Fachobfrau Alte Sprachen

