Exkursion des Seminarfachs 12:
Im Seminarfach 12 mit Kurslehrer Herrn Sachtleben stand in der vergangen Woche ein spannendes Thema im Mittelpunkt: der berühmte Columbusbrief von 1493. Nachdem Christoph Kolumbus seine erste Amerikareise beendet hatte, veröffentlichte er diesen Brief, um seine Entdeckungen bekannt zu machen. Wir haben uns im Unterricht zunächst mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz über Inhalt, Wirkung und historische Bedeutung informiert und die Ergebnisse gesammelt. Obwohl vieles plausibel klang, blieb bei den Schülerinnen und Schülern die berechtigte Skepsis, ob alles tatsächlich korrekt war. Deshalb beschlossen wir, die Quellen selbst in den Blick zu nehmen – und machten uns in dieser Woche auf den Weg zu einer Exkursion in die Marktkirchenbibliothek und die Stadtbibliothek Goslar.
Der erste Teil unseres Besuchs führte uns in die Marktkirchenbibliothek. Dort erwartete uns Herr Liersch, ehemaliger Probst der Probstei Goslar. In einer eindrucksvollen Einführung schilderte er die Geschichte der Bibliothek und eröffnete den Schülerinnen und Schülern einen seltenen Blick in bis zu 500 Jahre alte Bücher. Dabei wurde sehr deutlich, wie schon bei der Vervielfältigung solcher Werke kleine Fehler entstanden, die über die Jahrhunderte große Auswirkungen auf die Überlieferung und Wahrnehmung von Geschichte haben konnten. Für die Schülerinnen und Schüler war es ein besonderes Erlebnis, die alten Drucke aus nächster Nähe betrachten zu dürfen.

Im Anschluss übernahm Herr Seyfarth, ehemaliger Lehrer des Ratsgymnasiums, die Vorstellung des Columbusbriefes. Mitgebracht hatte er Faksimiles in spanischer und altdeutscher Sprache. Anhand konkreter Textstellen konnte er anschaulich zeigen, an welchen Punkten unsere KI-Recherchen ungenaue oder auch schlicht falsche Informationen geliefert hatten. So wurde eindrücklich erfahrbar, dass digitale Hilfsmittel wie ChatGPT zwar nützlich, aber keineswegs unfehlbar sind. Danach erhielten die Schülerinnen und Schüler selbst Zeit, die historischen Dokumente zu studieren – eine herausfordernde, aber sehr wertvolle Erfahrung, da sowohl die spanische Sprache als auch das Altdeutsch keine einfache Lektüre darstellen.
Die abschließende Station unserer Exkursion führte in die Stadtbibliothek Goslar. Dort zeigte Frau Hagedorn, wie man in Bibliothekskatalogen und über digitale Angebote gezielt nach Übersetzungen und wissenschaftlich verlässlichen Textausgaben suchen kann. Gerade für diejenigen, die Schwierigkeiten mit der Originalsprache hatten, war die Vorstellung von hochdeutschen Fassungen des Columbusbriefs von besonderer Bedeutung. Darüber hinaus vermittelte Frau Hagedorn grundlegende Kompetenzen im Umgang mit Bibliothekskatalogen und Internetquellen – Fähigkeiten, die für das wissenschaftliche Arbeiten unverzichtbar sind.
Der Tag hat unseren Schülerinnen und Schülern vor Augen geführt, wie wichtig der kritische Umgang mit KI-Ergebnissen ist und dass Originalquellen die verlässlichste Grundlage für historische Erkenntnis bilden. Für das Seminarfach war diese Exkursion nicht nur eine lehrreiche Ergänzung des Unterrichts, sondern auch ein bleibendes Erlebnis, das Neugier, kritisches Denken und wissenschaftliches Arbeiten miteinander verband.
Wir danken der Marktkirchenbibliothek und der Stadtbibliothek Goslar herzlich für die offenen Türen, die fachkundige Begleitung und die vielfältigen Einblicke. Ohne diese Unterstützung wäre der Ausflug in die Welt der historischen Quellen nicht möglich gewesen.

