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Theaterwerkstatt am Ratsgymnasium Goslar · 2026

Die Schule der Diktatoren

Eine Schule der Diktatoren? Was steht da wohl auf dem Lehrplan? Abiturprüfungen in Legitimation, Mitarbeit im Imitationskursus, Idealgewicht als Zulassungsbedingung, Projekte in politischer Trigonometrie?

Schloss Belvedere und seinem Pavillon mag auf den ersten Blick nicht nach Lehranstalt aussehen, aber dort findet Erwachsenenpädagogik statt, die paarweise neue Maschinen liefert!

Der Professor forscht übrigens nebenbei an Falsifikaten und wünscht keinerlei Insubordination.

Man lernt seinen Lebenslauf auswendig und rät Ehefrauen vom Besuch der Schüler ab.

Ausbildungsziel: das perfekte Meerschweinchen – am besten mit Vollbart! Als Gegenleistung.

Die Leute haben die Wahl

Mauseloch oder Mausefalle: Sich verstecken, sich schnappen lassen?

Das Schicksal eines Nagertiers mit staatlich gelenkter Sterblichkeit – oder Realität mit Theatertricks: die Leute haben die Wahl!

Und nicht nur die Leute: Auch ein Nachwuchsdiktator sollte besser nicht zur sentimentalen Schachfigur werden, sondern lenkbar bleiben – wie ein Damenfahrrad.

Ohnmächtig bei vollem Bewusstsein. Die Seele als erziehbarer Mechanismus. Etwas für Feinschmecker!

Politik ist etwas Wunderbares

Erich Kästner hat den Stoff für das Theaterstück 20 Jahre geplant und schockierte mit der Mischung aus Hoffnung und Scheitern bei der Uraufführung an den Kammerspielen München. Anklänge an bekannte Diktaturen sind bestimmt kein Zufall.

Aber dem Zufall wird hier sowieso nichts überlassen!

Erkennen Sie die blutige Komödie, die hier gespielt wird?

Wer nicht selbst als Maus, oder wahlweise Meerschweinchen, enden will, dem sei gesagt: Warten Sie lieber ab! Und gehen Sie in den Stadtpark!

Ist Politik nicht etwas Wunderbares? Das Volk wurde durch die Sprache der Taten überzeugt! Man lasse es sich gesagt sein!

Vox populi? Die Stimme des Volkes?

Wen soll das Triumvirat aus Premierminister, Kriegsminister und Leibarzt als eigentlich unersetzlichen Präsidenten ins Palais schicken? Definitiv niemanden aus dem Publikum – zuviel Rückgrat!

Auch nicht gewisse andere, die an ihren eigenen Strümpfen zu stricken scheinen.

Vielleicht gibt der Professor eins seiner Meerschweinchen her. Im Staat ist ja Platz!

Zur Zeit regiert der dritte Hampelmann

Hampelmann, der Dritte?

Egal, wer die Nachfolge antritt: ein Kriminalinspektor mit Gallensteinen, ein operettenhafter Damenfriseur, ein gewerkschaftlich organisierter Schuhmacher oder ein ahnungsloser Architekt: Keiner regiert ewig!

Und keiner überlebt seinen eigenen Tod besonders lange!

Vor allem nicht, wenn man sich aufgrund von belanglosen Fleischwunden zu leichtsinnigen Amnestien und, schlimmer noch, Jargonwechseln hinreißen lässt.

Aber wer regiert hier eigentlich?

Frau Präsidentin hätte nichts dagegen, nach Nizza in die Natur zu fahren, aber morgen ist ja Nationalfeiertag. Da würde sich ihr Sohn gut machen, aber in seinen Adern fließt Limonade. Er hat einfach nicht die Konstitution einer Dampfwalze wie sein Vater. Immerhin hat der ihr extra attachierte Reisemajor gewisse Qualitäten, und zwar keine inneren.

Leider drängt die Zeit: vom Präsidenten wird morgen eine Rede erwartet!

Glück ist ein Talent

Schon die alten Römer wussten: Animal ridens – der Mensch, das lachende Tier!

Die Märchenstunde im Wirtschaftsministerium eignet sich vorzüglich dafür. Aufgrund der Zahlenakrobatik fanatischer Buchhalter und erotischer Buchführung merken auch die ausländischen Exzellenzen nichts davon, dass Staatsstreiche mittlerweile aus der Brieftasche der Opfer finanziert werden, sondern senden zur Ernennung vierfache Glückwünsche.

Den aus seinem englischen Exil heimgekehrten Tribun erwischt leider die politische Putzfrau. Eigentlich hätte er ja schon vor zwei Jahren in London vom Balkon fallen sollen. Sein Glück damals: er hatte die falschen Papiere dabei.

Als endlich das Flugzeug die Exilregierung aus London zurückbringt, sind jedoch sogar die Strippenzieher im Hintergrund der Diktatur schon auf dem Weg in den Himmel.

Besonders heikel: Einige sind mittlerweile Briten geworden!

Frauen gibt es genug, aber man hat nur eine Mutter

Männer! Den einen ist Sekt zu teuer, den anderen nicht. Na ja, Zeit bringt Rosen.

Und immer die alten Römer: Non scholae, sed mortis discimus! Also nichtfür die Schule lernen wir?

Auch im Etablissement lernt man die Welt kennen – und sortieren. Die nackte Wahrheit. Ein Glück, dass selbst die Kirche gegen den Selbstmord ist. Das wäre ja sonst Sabotage. Apropos: Hatten wir eigentlich das Konkordat unterschrieben?

Exemplare aus der erotischen Leihbibliothek werden ergänzt durch bissige Senatorentöchter in Zimmer 6 – mit Pensionsberechtigung.  Aber wem nützt das, wenn der eigene Vater im Gefängnis sitzt?

Schloss Belvedere – etwa eine Abfalltonne? Selbst wenn sie alles auf den Kopf stellen, Frauen brauchen sie doch immer.

Verspätete Ferkel wären jedenfalls früher verkehrt herum aufgehängt worden! Aber nur früher.

Ungewissheit bis zur letzten Minute

Lachen oder Weinen? Darf man Bärte eigentlich auch wieder abschneiden?

Auch Fragen sind Antworten!

Der Stadtkommandant übrigens überlässt Details am liebsten dem „Fingerspitzengefühl“ seiner „Mitarbeiter“. Was dabei herauskommt, ist selbst dem Palastinspektor zu gefährlich. Zumindest solange, wie sein Dienstherr sich an der Macht hält.

Das Zeitalter der Tragödien ist jedenfalls vorbei. Es gibt nur noch „Unglücksfälle“, vorzugsweise von Balkonen. Auf leere Plätze.

Am besten, man macht einen Film darüber, bevor das Panoptikum aus Wachsfiguren verhaftet wird! Oder ein Hörspiel, auf Tonband! Falls niemand etwas dagegen hat.

Nur dem Hausierer ist klar: Irgendwas wird immer verboten, notfalls schwarze Schuhe, und aufgeknüpft wird auf jeden Fall, notfalls an milden Stricken. So leidet wenigstens die Hanfindustrie nicht.