Heute Morgen durften wir am Ratsgymnasium erneut Professor Dr. Ansgar Staudinger, Präsident des Verkehrsgerichtstages, begrüßen. Sein Besuch ist inzwischen Teil einer festen Tradition, bei der er regelmäßig eines der Goslarer Gymnasien besucht, um aktuelle juristische Fragestellungen mit Schülerinnen und Schülern zu diskutieren. Begleitet wurde er dabei von Oberbürgermeisterin Frau Urte Schwerdtner. Die Delegation wurde an unserer Schule herzlich von Frau Dr. Silke Köstler-Holste empfangen.
Die Veranstaltung fand in der Aula des Ratsgymnasiums statt. Eingeladen waren der gesamte 12. Jahrgang sowie die Politikkurse des 13. Jahrgangs, sodass sich zahlreiche interessierte Zuhörer einfanden.
In seiner gewohnt lockeren und zugleich adressatengerechten Art berichtete Professor Dr. Staudinger über Themen, die auch beim Verkehrsgerichtstag diskutiert werden. Dabei machte er deutlich, dass dort sehr unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen – von rechtspolitischen Akteuren bis hin zu Versicherungen, deren Positionen ebenfalls in die Beratungen einfließen. Nicht alle dieser Themen stünden automatisch im Fokus der medialen Berichterstattung, obwohl sie für die Verkehrssicherheit von großer Bedeutung seien.
Anhand konkreter Beispiele verdeutlichte er, wie komplex und zugleich alltagsnah das Verkehrsrecht ist. So ging es unter anderem um Haftungsfragen bei mietbaren E-Scootern, bei denen im Schadensfall häufig unklar bleibe, wer tatsächlich Verantwortung trägt. Auch die Alkoholgrenzen im Straßenverkehr wurden kritisch beleuchtet: Während beim Fahrradfahren derzeit vergleichsweise hohe Grenzwerte gelten, insbesondere auch bei E-Bikes, würden E-Scooter rechtlich wie Kraftfahrzeuge behandelt, was vielen Nutzern nicht bewusst sei.
Weitere angesprochene Themen waren der Umgang mit Drogen und Alkohol im Straßenverkehr, die Schwierigkeiten bei Kontrollen, etwa im Zusammenhang mit Cannabis, sowie aktuelle Diskussionen um Handynutzung am Steuer, mögliche Sanktionen und das Spannungsfeld zwischen Sicherheit und Datenschutz. Auch Fragen zur Ausgestaltung der Fahrschulausbildung kamen zur Sprache, die nach Ansicht Staudingers effizienter und zugleich kostengünstiger gestaltet werden könnte, ohne dabei zentrale Inhalte zu vernachlässigen.
Immer wieder unterstrich Professor Dr. Staudinger, dass das Recht keine abstrakte Größe sei, sondern konkrete Auswirkungen auf den Alltag habe. Dies verdeutlichte er auch durch eine eindrückliche Anekdote aus dem Zivilrecht, die zeigte, dass juristische Entscheidungen nicht nur rechtlich, sondern auch ethisch herausfordernd sein können. Zugleich warb er für das Jurastudium und machte deutlich, dass juristische Fragestellungen nahezu alle Lebensbereiche durchziehen.
Wir danken Professor Dr. Staudinger herzlich für diesen inspirierenden und anregenden Vortrag und freuen uns bereits auf seinen nächsten Besuch. Bereits am morgigen Tag wird zudem einer der Politikkurse der Eröffnungsveranstaltung des Verkehrsgerichtstages in der Kaiserpfalz beiwohnen dürfen.












